MG_9810

Wir

Gerade scrollt man sich sozialmedial durch eine Landschaft von “Das wird man ja wohl mal wieder sagen dürfen!” und “Nationalismus ist wie dein Hauptschulzeugnis, scheiße.” Der eine verteidigt Deutschland dieser Tage nicht am Hindukusch, sondern mit den Radkappen und Spiegelsöckchen in Schwarz-Rot-Gold auf dem Weg zum leicht verhassten Job. Der andere kämpft mit Facebook-Kommentaren gegen eine scheinbar nationalistische Übermacht, die nun aus jeden hervorzuquellen scheint. Das Bild was sich abzeichnet ist ein gespaltenes, verunsichertes schwarz-weiß-gemaltes, was eine Identität zu suchen scheint. Geht es hier um die Möglichkeit besoffen, halbnackt auf der Motorhaube fremder Autos zu stehen und eine Fahne in bestimmten Farben schwenken zu können und dabei kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, oder handelt es sich um rechtes Gedankengut, was in der Mitte der Gesellschaft lange heranreifte, um sich nun entladen zu können, wo es doch völlig ok ist, mal auf was stolz zu sein? Ich denke, die Fragestellung muss eine andere sein und hat sehr viel mit dem Wort Stolz zu tun. Warum wollen wir stolz sein und worauf kann man überhaupt stolz sein? Viele haben dieser Tage ihre eigene Existenz mit einer Anspannung aufgeladen, die sich mit dem Endspiel entladen hat. Der Erfolg von einer Mannschaft diente als Multiplikator zu eigenen Aufwertung. Ok, der Chef hat meine Leistung wieder nicht gewürdigt, aber wenigstens haben die Jungs gewonnen. Damit hat nicht nur gefühlt die Mannschaft gewonnen, sondern jeder einzelne, obwohl er nichts weiter tat, als zuzusehen, zu schreien, sich hineinzusteigern und eine Endorphinausschüttung zu genießen, die er seinem Körper selbst beschert hat. Gefühlt haben so alle gewonnen. Ja, wir haben gewonnen. Haben wir wirklich gewonnen? Können wir stolz darauf sein? Nein, wir können uns freuen. Freuen für Sportler, freuen für eine Mannschaft und alle, die mit und für diese arbeiten. Aber Stolz können wir nicht sein, denn wir haben keine Eigenleistung erbracht. Wenn wir selbst schneller und weiter laufen, besser funktionieren, Projekte erfolgreich abschließen und Gutes tun. Wenn wir die Welt zu einem angenehmeren Ort machen und nicht mehr ganz so scheiße sind, dann kann man Stolz sein. Weil das aber bei den wenigsten funktioniert, projizieren wir den Erfolg einer Mannschaft auf uns. Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt, ich bin deutsch, also habe auch ich ein kleines bisschen gewonnen. Das dies so funktioniert, wurde mir klar, als ich auf der leeren Straße stand, gerade geparkt hatte und mit dem Abpfiff einzelne Schreie aus verschiedenen Gebäuden kamen. Man spürte wie dort eine Last von Menschen abfiel, die einmal mehr ausgeblendet haben, dass sie einen Job haben, den sie nie wollten und die nun mehr Haare auf dem Rücken, als auf dem Kopf haben. Gerade ist aber alles, was sonst so Scheiße ist, nicht existent. Gerade sind sie Weltmeister geworden, auf ihrer Couch, mit der Hand am 7. Bier und mit 17kg zu viel am Körper. Ich freu mich für die Jungs, die da mit dem Ball die Spiele ihres Lebens spielen durften. Ich freue mich für einen Trainer, der jetzt nicht zerrissen wird, sondern der seinen Job gut gemacht hat. Ich freue mich für jeden, der Stolz auf seine Leistung sein kann.

P.s.: Ich habe noch nie verstanden, warum man einen Verein haben muss, knick knack.

Lebenslauf mit Perspektive

Das neue Jahr beginnt und wir alle haben immer noch genauso viel zu tun, wie vor Weihnachten, nur dass wir nun froh sind, dass es erstmal ein Jahr dauert, bis wieder diese Festivität in Form von Nadelbäumen in unseren heimischen Wohnzimmern gastiert. Ein Rückblick lohnt nicht und ein Ausblick sowieso und überhaupt auch nicht. Wir machen weiter, wie gehabt und suchen nach dem Lebenslauf mit Perspektive. Unfreundliche Menschen bleiben unfreundlich und wir verstehen sie immer noch nicht. Die Senseo Kaffeemaschine verstaubt langsam. Manchmal entdecken wir sie in der Küche und fragen uns, was wir wohl dieses Jahr unbedingt anschaffen müssen, von dem wir aber gerade noch nicht wissen, dass was wir es unbedingt brauchen. Während andere Hasch rauchen und Geld brauchen, brauchen wir es auch, aber ohne Hasch. Irgendwas passt da doch nicht. Egal, denn wir haben nun ein Jahr Zeit alles zu klären und am Ende wird alles anders sein, oder doch nicht? Liebe Grüße, euer Lebenslauf mit Perspektive.

Wir sind ausgedacht!

MG 6549 Wir sind ausgedacht!

Wir sind ausgedacht, sage ich. Wie eines zum Anderen führt, wie die Zufälle, Zufälle sind. Es kann nur so sein, das wir ausgedacht sind und jemand dort an einer wunderbaren Geschichte herum denkt. Selbst die Dinge, die nicht zu funktionieren scheinen, lösen andere Aktionen aus, welche wiederum genau im richtigen Moment zu geschehen scheinen. Im Moment, wo ich den Boden unter den Füßen zu verlieren scheine, lande ich in einer ganz neuen Welt und alles erscheint plötzlich so unglaublich richtig zu sein. Da steht ein Delorean DMC 12 am Sonntagmorgen vor der Tür und alles ist mehr Traum, als Wirklichkeit. Nie wieder Mittelmaß sage ich, nie wieder den Weg aller gehen. Ich will nichts von Schicksal hören, doch behaupte ich nun, wir sind ausgedacht. Du und ich, wir beide. Nie wieder Sorge vor dem Ungewissen, nie wieder nicht wissen, was man machen möchte, denn eigentlich weiß man es immer. Stattdessen mehr versuchen, mehr trauen, mehr springen, kopfüber! Ich folge dem weißen Kaninchen! Alle, die nicht mitspielen, alle die uns nerven und alle, die wir nicht mögen, ohne euch würde es nicht gehen. Ich mag euch immer noch nicht, aber ihr haltet uns auf Kurs, wenn ich einen Bogen um euch machen muss. Ihr zu früh schließenden Läden, ihr verpeilten Kollegen, ihr Hater und ihr Spinner, ihr Reifenplatzer, ihr Züge mit Verspätung, die Wahrheit ist, auch ihr seid nur ausgedacht und wir brauchen euch. Ich sage es nicht gerne, aber wir brauchen euch. Wir, du und ich, wir beide. Ohne euch gäbe es kein wir und ohne euch, hätten wir nicht zueinander gefunden. Ihr seid Schuld, Schuld an allem, Schuld am Wir. Also kommt nur und nervt uns, seid verpeilt und macht unser Leben zu dem, was es ist, mit all den Verspätungen, den verschlossenen Türen und den gesperrten Treppen, denn unser Leben ist schön. Wir sind nur ausgedacht.

Storm Warning

Storm Warning

Ihr kennt das. Unruhe macht sich breit. Ihr wisst, alles ist gut. Die Miete bezahlt, das iPhone 5 wieder abbestellt und alles ist fett und rosig. Doch, im hintersten Zimmer eures verwahrlosten Verstandes, scheint noch ein Fenster zum Hof offen zu sein. Eine merkwürdige Kälte scheint von irgendwoher zu strömen. Zeit sich tief im Hoodie zu vergraben, bevor der Regen einsetzt. Es wird nicht irgendein Regen sein, sondern dieser fiese Norddeutsche. Hamburger Kinder wissen, was ich meine. Kapuze aufgesetzt, die letzte Zigarette im Mund, das Feuerzeug schon in der Hand und den richtigen Track für diese Situation auf den Ohren. Eure Art euch zu wappnen. Vielleicht schmeckt ihr auch gerade den guten Wiskey, den ihr nur für diese Momente bereit haltet, oder blickt aus dem Fenster eures Autos, wie ihr ohne Ziel über die Straßen eurer Heimat fahrt. Wir wissen nicht was kommt. Vielleicht ist es uns egal, vielleicht wollen wir uns eine neue blutige Lippe holen und schmecken, was Leben ist. Wir wissen, wir werden verlieren und es wird nicht leicht. Wir werden uns beweisen müssen und wir werden verlieren, um am Ende vielleicht doch siegen zu können. Gerade aber schmecken wir nur den bitteren Geschmack, fühlen die nahende Kälte und drehen den Track lauter.

strikeapose

Trimbal x Confidence Boost (Harmonimix)

Manchmal will ich einfach aufstehen und gehen. Ich hasse das, weil ich es nie tue und das resultierende Gefühl ist schlimmer als so Vieles. Keinen Mut haben, nicht das Selbstbewusstsein, von mir aus auch die Eier das zu tun, was nötig ist. Hinschmeißen ist für Anfänger. Aber aufstehen und alles neu machen, das ist für die Profis im Leben, von denen ich irgendwie keinen kenne – oder zu wenige. Denn ich will kein Anfänger sein, sondern lernen, wie ich das hier schaffe – was auch immer “das” ist.
Für alle, die es noch nicht verstanden haben. Das ist es, worum es hier geht: Der Weg zum Profi – und bis dahin: Strike a pose, strike a pose.

(<3 motor.de)

This Time Tomorrow

Das Leben wie in einem Wes Anderson Film. Du rennst plötzlich einem Zug hinterher und hast keinen Plan, wo du morgen sein wirst. Sicher ist nur eins. Es ist ein völlig neuer Ort und du wirst alles zurücklassen. Einzig die Erinnerung wird bleiben und ob wir uns dann noch kennen werden? Vielleicht, ich hoffe es. Die Dinge fühlen sich heute schon, während du rennst, komisch an. Fremd und unwirklich, auch der Sommer ist nun vorbei. Innerlich rollt man sich zusammen und würde am liebsten zurückkehren, zu den grandiosen, besseren Tagen. Gleichzeitig ist da dieses unbändige Gefühl, der Durst nach Veränderung. Neuland, du schmeckst die salzige Meeresluft. Das andere Ende der Welt fühlt sich so nah an. WhatsApp Messages nach Katmandu lassen die Entfernung lächerlich klein erscheinen. Ich war auf einer Party und sprach fast nur über Jobs und das Business. Überhaupt geht es immer nur um Arbeit. Everyday I’m hustling. Zur Zeit noch. Dann sitzt du plötzlich bei Paul. Dinge, die man sich niemals vorgestellt hat. Dann tun sich neue Dinge auf und du willst am liebsten nicht mehr besitzen, als einen Koffer und alles, was da reinpasst. Irgendwie ist es auch so. Nur das was du tragen kannst, wir dir bleiben. Ein zweites mal gehen, wird nie funktionieren. Es wird nicht wie das erste Mal sein. Und dann wieder der Gedanke an die besseren Tage, an die, die da noch kommen werden. Selbstbewusst sein macht sich breit. Abenteuerlust klopft an das Fenster und während du es aufmachst, spürst du die Herbstluft. Der Sommer, was ist eigentlich mit dem Sommer? Kaum genutzt, kaum erfahren, wiedermal. Den Fehler wolltest du doch auch nie wieder machen. Na ja, nächstes Jahr dann vielleicht. Für den Herbst habe ich eine rote Mütze, fast so, wie Steve Zissou.

Angst-1-794x1024

Du hast Angst vor’m Pterodactylus!


Die Menschen haben Angst. Früher wurde man vom Pterodactylus verfolgt und musste sich echt Gedanken machen, wie man das mit dem Winter jetzt regelt. Da war die Sorge noch gerechtfertigt. Als gesunder Mitteleuropäer geht es einem eigentlich ziemlich gut. Kein Pterodactylus, Winter ist auch ganz schnafte, denn da können wir uns über das Wetter beschweren, oder über die S-Bahnen, die nicht so gut funktionieren wollen. Trotzdem haben wir alle ständig Angst. Wir könnten den Job verlieren, oder keinen bekommen, wenn wir gerade mal keinen haben. Wenn wir einen Job haben, den wir verlieren können, dann überlegen wir, ob wir ihn nicht wechseln sollte, denn man muss ja dem Schicksal immer einen Schritt voraus sein. Die Wege scheinen vorgegeben. Abweichen birgt Risiken die wir nicht einschätzen können und plötzlich googelst du Pterodactylus, weil du dir nicht sicher bist, ob die Teile wirklich ausgestorben sind, denn immerhin sind sie ja auf deinem Dinosaurierschlafanzug abgedruckt. Kurz gesagt, wir haben ständig Angst. Angst die uns lähmt, wenn wir uns bewegen sollten. Angst, die uns Perspektiven nimmt und Angst die völlig unbegründet ist. Eben wegen dieser Angst trennen wir uns von den Menschen, die wir mehr als alles andere brauchen, denn wir wissen ja, das die Beziehung eh nicht Bestand hat. Wir rufen unsere Eltern nicht an, weil wir ja genau wissen, da ist diese Sorge in uns, die wir ihnen nicht erzählen wollen, weil es uns ja eigentlich superdupi guti geht, doch zum Lügen sind wir zu faul. Wir versuchen nicht unsere Traumjobs zu bekommen, denn wir sollten ja zufrieden sein, den Job zu haben, den wir jeden Tag verfluchen. So vertrauen wir uns nicht mehr. Wir laufen weg, verkriechen uns und belügen uns selbst, statt das zu tun, was wir besser tun sollten. Überhaupt trauen wir uns nur zu träumen, was vorgegeben scheint. Senior Art Director bei Jung von Matt in 5 Jahren will da einer werden, ohne jemals in einer Agentur gearbeitet zu haben. Warum? Weil es cool ist und weil er auch irgendeine Angst hat, die ihn davon abhält das zu tun, was er eigentlich möchte. So sitze ich hier, in meinem Dinosaurierschlafanzug, bin mir jetzt wirklich sicher, Pterodactylen gibt es nicht mehr und überhaupt braucht man eigentlich keine Angst haben, denn ich weiß, ich werde die nächsten 6 Monate gut klar kommen, auch wenn da der Winter kommt. Eigentlich doch ziemlich schnafte, oder?

Mr. Rager

Manchmal zieht man in einen Kampf, ohne ihn gewinnen zu können. Manchmal verliert man alles aus den Augen und manchmal weiß man nicht mehr, warum man überhaupt kämpft. Für jeden Schlag kassierst du selbst zwei neue und du wirst nur noch wütender. Du denkst, du musst alles geben und es geht nur nach vorn. Dabei überrennst du jeden, auch jene, die sich helfend in den Weg stellen. Du bist blind geworden und verirrst dich immer mehr. Zwischenzeitlich merkst du es, blickst auf und der Ausweg scheint entfernter den je. Gewinnen, oder untergehen, mehr kann es nicht geben. Irgendwie dumm, denkt man vielleicht. Ja, ist es! Lässt man es? Nein.

Beat your heart out

Seit ein paar Monaten renne ich, ohne mich wirklich zu bewegen. Es ist ein wenig, wie diese Sequenzen in unseren Träumen, wo wir am Ende gar nicht mehr wissen, wo wir eigentlich hin wollten und alles um uns herum sich längst geändert hat, wenn wir endlich hinterfragen, was das hier eigentlich soll. Der unbändige Drang ein rettendes Ufer zu erreichen bleibt. So rennt man und rennt, ziellos und weit. Man verausgabt sich und lotet die eignen Grenzen aus. Es muss ja etwas geschehen, denn die Unzufriedenheit wächst ebenso, wie die Angst vor dem Gewitter, welches bald hereinzubrechen droht. Abkürzungen werden zu Umwegen und Türen schließen sich direkt vor der Nase. Weggefährten sind doch nur wenige von vielen, die letztendlich nur eine Erfahrung beigetragen haben, aber nicht geholfen haben, den Weg schneller zurückzulegen, oder ihn zu finden. Das Herz schlägt noch und es schlägt schneller. Es treibt an und es zerreißt uns. Es hält uns wach, wenn wir schlafen müssten. Es lässt uns verzweifeln und doch Mut finden weiterzumachen. Am Ende bleibt nur eine Sorge. Bin ich immer noch der, der ich gewesen bin, oder hab ich mich auf dem Weg schon lange verloren?

Rockys in Alberta

Einhundertzweiundvierzig Tage


142 Tage scheinen manchmal eine lange Zeit zu sein. 142 Tage sind schnell vorbei.
Aber wenn du wartest, dann sind 142 Tage dein halbes Leben. Warten auf den neuen Job, die Prüfung, die Festivalzeit oder die Rückkehr eines besonderen Menschen.
142 Tage können Angst machen. Denn zu viel Zeit bringt Erwartungen mit sich, die vielleicht nie erfüllt werden. Tage… Monate in denen dir Menschen erzählen was sie vom Warten halten. Was sie für Erwartungen haben. Tage in denen du es nicht erträgst, wenn dir dein bester Freund sagt, dass die Erwartungen an seiner Stelle lieber niedrig wären. Hören willst du das nicht. Du willst Mut bekommen – Zuspruch.

Aber es sind 142 Tage in denen du es schaffen kannst den Mut von ganz allein zu schöpfen und du lernst, anstatt den Countdown mitzuzählen du dich auf das Ziel fixierst. Denn eigentlich ist das alles gar nicht so schwer. Nur verdammt erschöpfend. Wie immer.
Wer 142 Tage schafft, der schafft auch ein ganzes Leben. Bleibt nur zu hoffen, dass das nicht nur aus Warten besteht.
Aber das liegt wahrscheinlich in deinen Händen.

Next Posts