Die Rückkehr des Indierock.

Jenny was a friend of mine! 2005 jedenfalls. Sie, ich und Mr. Brightside marschierten gemütlich durch das Ende des Sommers. Die Nummer war eigentlich ziemlich einfach. Ich hatte viel Zeit und gerade mein Abi gemacht und meine Freunde waren gerade alle dabei, sich von irgendwelchen Bundeswehrpfosten, durch den Matsch prügeln zu lassen. Andere wiederum machten brav ihren Zivildienst und kifften auf dem Dach der Schule, in der sie gerade hausmeisterliche Aufgaben erfüllten. Lazy Days am Ende des Wahnsinns. Irgendwann fand ich mich in einem alten grünen Polo wieder. Er gehört dem Mädchen, was ich gerade kennengelernt hatte und wir hörten die Killers EP mit Mr.Brightside in Dauerschleife an einem Sonntagnachmittag. Wir standen auf dem einsamen Parkplatz eines Gewerbegebietes und fuhren uns halbkalte Pommes von McDonalds ein. Was willst du auch sonst tun, an einem Sonntagnachmittag, in Sachen-Anhalt? Da hättest du noch im Freibad abhängen können und auf das falsch gestochene Brustwarzenpiercing von Matze starren können, der seines Zeichens NPD-Wähler und Bodybuilder war, der sich aber, oder gerade deswegen “Er ist guter Junge” auf die Heckscheibe seines Golfs geklebt hatte. Wir spielten lieber occupy Parkplatz. The Killers waren unser Soundtrack.
Im Sommer darauf war das Mädchen verschwunden und ich sprang mindestens einmal die Woche über eine nicht gerechtfertigte kleine Tanzfläche. Bloc Party, Arctic Monkeys und Maximo Park waren die Ersatzhelden geworden. Wir stampften zu den Kaiser Chiefs und The Automatic genauso, wie The Shout Out Louds. Indierock aus Schweden und von der Insel waren groß angekommen, auch in Sachsen-Anhalt. Es war eine gute und vor allem unbeschwerte Zeit. Jung und dumm, haben wir sie verschwendet. Ich erinnerte mich heute, als ich sah, Bloc Party haben eine neue Single. Octopus. Auch The Killers fahren mit Runaways vor. Franz Ferdinand haben sich für die nächste Party auch schon angekündigt. Der Indierock von damals kehrt zurück und nein, du bist nicht so gut wie früher. Bloc Party hätten 2008 aufhören sollen. Das Soloprojekt von Kele war besser, als die neue Single. Runaways reißt mich auch nicht so mit, wie mein guter Freund Mr. Brightside es immer noch schafft und ich hoffe, Michael schickt nicht seinen bösen Zwilling zur nächsten Party, wenn Franz Ferdinand die neue Platte zum ersten mal spielen.

(<3 WeLikeThat; TheStiller)

One Response to Die Rückkehr des Indierock.
  1. Merle Antworten

    André.

    Über das habe ich mir letzte Woche auch Gedanken gemacht und du sprichst mir aus der Seele: Abi, Disco, SMS-Schlachten, Liebe, Sommer, Roadtrips, Konzerte, ein romantisch-verklärt klaffendes Loch zwischen Schule und ‘dem-Ernst-des-Lebens’. Auf jeden Fall immer mit dabei ‘The Killers’ und all die anderen Bands, die du ansprichst.

    ‘Hot Fuss’ war stark, mit ‘Sam’s Town’ konnte ich mich letztendlich anfreunden, ‘Day & Age’ war nicht mehr meins. Wahrscheinlich passt ‘Runaways’ zu der Entwicklung, die die Band über die Jahre durchgemacht hat. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass die Lyrics flach sind und jedenfalls bei mir rein gar nichts mehr in Bewegung bringen – kein Verliebtseinsgefühl mehr beim Hören, ohne tatsächlich verliebt zu sein.

    Das neue von Bloc Party reißt auch nicht mehr viel. Am meisten stört mich das Video zum Song. Ja, es ist irgendwie wie die meisten Videos von Bloc Party, doch vor allem ziemlich lieblos und inhaltsleer zusammengeschustert.

    Dieser Indierock ist nicht so gut wie früher, das stimmt, aber das ist ok für mich. Nun haben wir unsere neuen Helden, die uns verliebt machen, ohne dass wir tatsächlich verliebt sind und die uns um den Verstand bringen, wenn da dann doch eine Person ist, die unser Herz berührt.
    Ich weiß, trotzdem bleibt das Gefühl, dass dies nicht dasselbe ist wie früher. Damals ging alles und man hatte definitiv den ultimativen Soundtrack dazu, der das was man war und wollte in bester Art und Weise ausdrückte. Aber wir waren ja auch andere, weniger abgestumpft, weniger desillusioniert, mehr unbelastet, mehr sorgenfrei. Vielleicht würde ‘Mr. Brightside’ heute einfach nicht mehr dasselbe in uns bewirken, nicht dasselbe bedeuten wie damals. Im Hier und Jetzt bleiben auf jeden Fall die großartigen Anekdoten, die schönen Erinnerungen, die elefantastischen Momente und die Freunde, mit denen man die Unbekümmertheit und ihre Musik geteilt hat.

    In diesem Sinne, auf zu neuen Ufern! Ahoi.

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