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True Romance

Ich war neulich auf einer Party. Seit langem mal wieder überhaupt eine. Soziales Unterfangen war jetzt nicht so das, was ich hier in Aachen bisher groß gepflegt habe. Mir fiel auf, dass ich mich eigentlich nur über Jobs unterhalten habe. “Was machst du?” scheint extrem wichtig geworden zu sein. Heute sitze ich zuhause und denke darüber nach. Mir fällt dabei ein, dass es wirklich so extrem wichtig geworden ist, über das machen zu reden, zu denken und es all gegenwärtig in den Vordergrund zu stellen, so dass wir nicht mehr über das Lieben nachdenken und vielleicht den wirklichen und einzigen Grund, warum wir uns morgens immer wieder an dieses Schreibtisch setzen, den wir alle eigentlich gar nicht mögen. Stattdessen blicken wir auf unsere Karriere und verschieben ein gemeinsames Wochenende wiedermal auf’s unbestimmte. Für mich war es so lange völlig legitim, eine Beziehung nicht mehr weiterzuführen, wenn sie da dieses Projekt, dieser Job, oder einfach dieses verfickte Karriereding im Weg steht, denn am Ende muss man ja die Miete zahlen und am Ende darf man nicht das Gefühl haben etwas verpasst, nicht gemacht, oder eine Chance vergeben zu haben. Vielleicht ist meine lange Unentschlossenheit der Grund für das Denken, jetzt doch mal was aus meinem Leben machen zu müssen. Wie lange ist das her, dass man richtig und aufrichtig geliebt hat? Kein Kompromiss, keine Unsicherheit im Gedanken, sondern einfach und unbedingt direkt. Wir lassen uns alle zu viele Türen offen und außerdem sind wir nicht mal ehrlich zu uns selbst. Wir ballern uns ein Auslandsemester ins Leben, ohne daran zu denken, dass wir das einzig wirklich bedingungslose damit zurücklassen werden. Wir gehen nach Hamburg, Berlin, München und Aachen, um endlich einen Job zu haben, der aus unserem Lebenslauf endlich den Beginn eines 3 Teilers werden lässt, bei dem Scorsese der Ghostwriter war. Wir sind gehetzt, gejagt und wurden belogen. Es ist dort am schönsten, wo wir nicht alleine sind. Es ist dort am besten, wo wir Dinge nicht nur für uns tun. 48h können allen, doch nicht uns genügen. Für mehr Bedingungslosigkeit. Für öfter mal den Job kündigen. Für die Unvernunft und für das Wesentliche. Für die Liebe und für alles, alles was zählt. Ach ja, Citizen! haben dazu einen klasse Song.

(<3 I.Am.no.Superman)

4 Responses to True Romance
  1. Tim Antworten

    Das ist witzig. Denn war es wohl ich, der die Frage nach dem “Was machst Du?” gestellt hat. Denke ich da jetzt im Rückblick drüber nach, schaue ich mich von der Seite kopfschüttelnd an und sage mir: “Hey, so wolltest Du doch nicht werden.” Aber. Dieses blöde was Du machst, ist immer noch ein guter Gesprächsbeginner. Liegt es nicht auch ein wenig an den Teilnehmenden, die Richtung zu bestimmen und nicht den ganzen fucking Abend darüber zu reden?
    Irgendwie hat es sich dann aber so ergeben. Und ja, es stimmt schon, das man mit fremden flott in die Richtung stößt. Mit fremden über Privatscheiß unterhalten passiert selten. Aber warum eigentlich? Ich muss Menschen erstmal ein wenig näher kennenlernen. Das funktioniert über berufliches schon ganz gut und schwappt dann irgendwann über.
    Aber verdammt, ja, wir sind oft zu bedingungslos. Vor allem mit unserem Umfeld. Mit uns selbst sind wir ja dann meist doch bedingungsloser Ego. Weniger davon, mehr Umsicht wäre angebracht. Ja, guter Punkt.

  2. Martin aus Leipzig Antworten

    Ich lese diesen Text nun zum 3. mal… und kann immer nur wieder mit dem Kopf nicken. Danke.

  3. Caro Antworten

    Danke

  4. [...] schreibt einen Text über den Arbeitsverdruss und wie man diesen entgegen könnte. Ich selbst hab diesen... farbwolke.de/kreativlinks-vom-25-oktober-2012

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