Vom Verlust und der Möglichkeit

Ich erfreue mich zur Zeit sehr an den Möglichkeiten, stehe ich doch kaum in einer Abhängigkeit und trage nur Verantwortung für mich selbst. Nahezu täglich entscheide ich irgendetwas fast willkürliches. Ich gebe Geld aus und steige in den Zug, der vor meiner Haustür hält, einfach weil ich in Dortmund wieder aussteigen möchte. Ich fahre auf Festivals, auf denen ich niemanden wirklich kenne, nur um zu merken, wie gut man doch klar kommt. Später zuhause angekommen sitze ich meine Abende vor Final Cut und schneide an etwas, dass nicht nur für mich wichtig und gut sein wird. Ich lebe in einer Stadt, in der ich kaum Leute kenne und werde sie mit ebenso leichtem Gepäck verlassen können, wie als ich ankam, sollte ich sie denn verlassen wollen. Einen Küchentisch werden ich erst für die nächste Wohnung anschaffen. Hauptsache kein Balast, Hauptsache sich nichts in den Weg stellen. Gefangen zwischen: “Was kostet die Welt?” und “Wie spare ich möglichst schnell, möglichst viel Geld an?” Wann kann ich wieder darauf vertrauen irgendwo länger zu sein, als es denn die Mietkündigungsfristen erlauben? Mal abgesehen davon, dass ich gerade 3 Monate als ziemlich lange Zeit empfinde, würde ich doch in einer Woche schon meine Sachen woanders aufbauen, wenn ich denn einen guten Grund bekäme. Seitdem ich in Aachen lebe, möchte ich mich nicht mehr festlegen, sondern spekuliere eher darauf, dass sich alles ganz schnell ändern kann. Scheinbar bin ich selbst gerade die einzig stabile Größe und alle Faktoren um mich herum werden immer variabler. Ich frage mich ständig, wo ich noch mehr reduzieren kann, mehr Balast abwerfe, um schneller und weiter zu springen. Nachdem sich der erste Knoten gelöst hatte, ist so viel abgefallen, so das mittlerweile alles möglich erscheint. Ich halte mich in Bewegung, darf nicht stillstehen. Beständigkeit fällt mir dabei aus dem Rucksack, weil ich ihn in der Eile nicht zugeschnürt habe. Ich fange Dinge an und schaffe es nicht, sie zu Ende zu bringen und verschiebe es auf Morgen, doch… Für was eigentlich? Warum ist das so? Ich weiß langsam, wo ich hin möchte und fange an den Weg zu gehen, doch ist das nur einer von vielen, die noch gegangen werden müssen. Ich wollte diesen Sommer in Berlin verbringen und nun werde ich die Stadt nicht ein einziges mal in ihren warmen und besseren Tagen betreten. Pläne, es gibt sie nicht mehr. Beständigkeit, wer sie findet, darf sie behalten, glaube ich, denn ob ich sie zurück haben will, ich weiß es nicht. Man kann sich ja nicht mehr festlegen. Nicht dieser Tage.

One Response to Vom Verlust und der Möglichkeit
  1. Fabian Antworten

    Spricht mir aus der Seele. Ich habs dieses Wochenende endlich nach Berlin geschafft. Der Sommer hat noch ein paar Wochen. Bleib dran, es lohnt sich.

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